Bei Schönheitsoperationen denkt man üblicherweise an Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen, Nasenkorrekturen oder Lifting. Während sich früher nur TV- und Filmstars vom Beauty-Doc behandeln ließen, gibt es heute Botox to go in der Mittagspause. Nun ist der Schönheitswahn unter der Gürtellinie angekommen. Labioplastik, Entfernung der Klitoris-Vorhaut, Vaginalstraffung, G-Punkt-Unterspritzung, Hymen-Rekonstruierung – die Intimchirurgie stellt den am schnellsten wachsenden Bereich innerhalb der plastischen Chirurgie dar.

Bereits vor einigen Jahren schwärmte Gwyneth Paltrow von der Dampfbehandlung ihrer Vulva – einer Mischung aus Kräuterdunst und Infrarotstrahlen. In New York können sich Frauen im Spa Vspot ihre Vagina peelen, liften und lasern lassen. Und auch hierzulande findet frau immer mehr Angebote für ihren Intimbereich. Ein Intimzonen-Bleaching hellt die Haut im Vaginal- und Analbereich auf und verspricht darüber hinaus einen straffenden Effekt. Der „Feminin Lip Stick“ soll die Vulvalippen vor dem Austrocknen bewahren.

Bei zu langen oder schlaffen Vulvalippen nützt das alles nichts – hier muss chirurgisch nachgeholfen werden. Meist geht es darum, die inneren Vulvalippen zu kürzen. Labioplastiken (das ist der Fachbegriff für diese Operation) wurden erstmals im Jahr 1984 beschrieben und diskutiert. Ursprünglich ließen sich hauptsächlich Beschäftigte der Sexindustrie operieren. Das hat sich mittlerweile stark verändert.

 

Warum legen Frauen ihr intimstes Körperteil unters Messer?

Ein Gefühl der Weite nach einer Geburt wird oft als Grund angegeben, die Vagina chirurgisch verkleinern zu lassen. Das ist aber in den meisten Fällen auf eine schwache Beckenbodenmuskulatur zurückzuführen. Und die kann trainiert werden!

Zu große Vulvalippen können beim Fahrradfahren, Reiten oder Tragen enger Kleidung stören. Auch beim Sex können sie hinderlich sein, weil sie sich dabei in die Vagina stülpen und ein Eindringen erschweren oder Schmerzen verursachen können. Doch die meisten Operationen werden aus ästhetischen Gründen vorgenommen.

 

Wie kommen Frauen auf die Idee, dass ihre Vulva nicht dem Schönheitsideal entspricht? Und seit wann gibt es so etwas überhaupt?

Einen großen Einfluss haben natürlich die Medien. Auf vielen Fotos werden die inneren Vulvalippen mittels Grafikbearbeitung entfernt, per Weichzeichnung unkenntlich gemacht oder die Frauen so fotografiert, dass diese nicht sichtbar sind. Das Ergebnis zeigt einen schmalen, glatten Spalt. Einerseits soll damit den (vermeintlichen) ästhetischen Bedürfnissen der Leser*innen entsprochen werden. Andererseits können sichtbare innere Vulvalippen unter den Jugendschutzbestimmungen einiger Länder als detailgetreue Darstellung der Genitalien verstanden werden und den freien Verkauf einer Zeitschrift verhindern.

Pornodarstellerinnen haben neben operativ vergrößerten Brüsten oft auch operativ verkleinerte Vulvalippen sowie eine gebleachte Analregion. Da unsere Normvorstellungen von manipulierten Bildern geprägt werden, empfinden viele Frauen ihre eigenen Labien als unästhetisch oder abnormal, obwohl das objektiv gesehen überhaupt nicht der Fall ist.

Dazu kommt der Trend zur Intimrasur, denn wenn die Vulva haarlos ist, wird sie sichtbar. Jede anatomische Besonderheit kommt zum Vorschein. Viele glauben, die inneren Vulvalippen sollten immer von den äußeren verdeckt sein, doch bei erwachsenen Frauen ragen die inneren Vulvalippen oft hervor. Vulven sind individuell sehr unterschiedlich, die Bandbreie der Formen ist unendlich groß.

Wie vielfältig Vulven sind, zeigt der britische Künstler Jamie McCartney, der 400 Gipsabdrücke von Frauen zwischen 18 und 64 gesammelt und auf der „great wall of vagina“ verewigt hat. Alle sind verschieden – und auf ihre Art schön.

Nichtsdestotrotz wählten in einer Studie mit 18- bis 28jährigen Frauen sämtliche Teilnehmerinnen bei der Frage nach der ihrer Meinung nach „idealen“ Vulva ein Bild von einer haarlosen Vulva mit verborgenen inneren Vulvalippen.

 

Risiken & Nebenwirkungen

Anbieter und Medien preisen Intimchirurgie gern als Mittel zur Verbesserung des weiblichen Lustempfindens an und bagatellisieren dabei die Risiken. Besonders die Verkleinerung der Labien wird oft als „kleiner Eingriff“ dargestellt. Komplikationen können aber auch hier schwerwiegende Funktions- und Empfindungseinschränkungen zur Folge haben. Das äußere weibliche Genital ist von einer Vielzahl von Nerven und Blutgefäßen durchzogen. Werden diese bei einem unsachgemäßen Eingriff verletzt, kann das nicht nur zu Narben, Schmerzen und weiteren Eingriffen, sondern auch zu Sensibilitätsstörungen mit verminderter sexueller Empfindlichkeit führen.

Was mich persönlich irritiert: Während Frauen einerseits Petitionen gegen FGM (weibliche Genitalverstümmelung) unterschreiben, lassen sie sich andererseits  freiwillig an ihrem Geschlechtsteil herumschnippeln. Und nehmen für die Schönheit sogar in Kauf, ihr Lustempfinden einzubüßen. Warum hängt vom Look der Vulva so viel (Selbstwert) ab?

Wie ich in meiner Praxis feststelle, ist immer mehr Frauen ihr Körperbild wichtiger als ihr Körpergefühl. Um dem Schönheitsideal zu entsprechen wird viel geopfert. Für eine erfüllte Sexualität ist es jedoch wesentlich, sich im eigenen Körper wohlzufühlen. Ich verurteile keine Frau, die dafür Eingriffe vornehmen lässt. Es ist mir aber wichtig, auf die Hintergründe hinzuweisen. Hier wird viel mit der Scham, den Ängsten und den Unsicherheiten von Frauen gespielt.

 

Leitlinien zur weiblichen Genitalchirurgie

2010 wurden erstmals vom Wiener Programm für Frauengesundheit gemeinsam mit Expertinnen, medizinischen Gesellschaften und Organisationen „Leitlinien zur weiblichen Genitalchirurgie“ entwickelt. Sie bieten eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, sollen Frauen vor Risiken schützen sowie Ärzt*innen vor Eingriffen eindeutige Leitlinien an die Hand geben. Sie können diese hier downloaden.

 

Liebevolle Aufmerksamkeit statt Intimchirurgie

Begreifen wir unsere Vulva als einzigartiges Wunderwerk der Natur! Wir werten eine Körperregion ab, die uns so viel Gutes ermöglicht: lustvolle Gefühle, Cunnilingus, Orgasmen, die Geburt eines Kindes uvm. Wir Frauen haben dieses Schönheitsideal in unsere Köpfe gelassen – wir können es auch wieder loslassen!

Die Alternative zur Chirurgie dauert länger, kommt aber ohne Operation und Narben aus: Schließen Sie Frieden mit Ihrem Körper – auch und gerade mit Ihrer Vulva! Ich unterstütze Sie gern dabei. Von Frau zu Frau. Vereinbaren Sie gleich einen Termin für ein kostenfreies Info-Gespräch!

 

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