Fast jede hat welche, doch kaum eine spricht darüber: sexuelle Fantasien. Viele Frauen schämen sich oder haben Angst, dass sie nicht „normal“ sind. Woher kommen eigentlich diese Bilder im Kopf? Und sollen Sie Ihrem Partner davon erzählen oder das lieber lassen?

Mit diesen Fragen schlägt sich Brigitte*, 50, herum. Hier ein Auszug aus ihrer Email:

„Ich liebe meinen Mann, unsere Beziehung ist in Ordnung. Beim Sex geht er auf mich ein und ich habe Orgasmen. Und obwohl ich ihn immer noch begehrenswert finde, tauchen plötzlich wie aus dem Nichts Fantasien mit anderen Männern auf. Bin ich denn verrückt? Um nichts auf der Welt würde ich meine Beziehung riskieren! Andererseits ist da auch Neugierde. Natürlich habe ich mich im Griff … aber bleibt das auch so? Ich habe Schuldgefühle, weil ich mir Sex mit anderen Männern ausmale – nicht nur bei der Selbstbefriedigung, auch während ich mit meinem Mann schlafe! Wie soll ich damit umgehen?

Ist meine Beziehung gefährdet, wenn ich von anderen Männern fantasiere?“
Sich Sex mit anderen Männern vorzustellen muss nicht zwangsläufig ein Zeichen für Beziehungsprobleme sein. Wenn Sie, liebe Brigitte, verunsichert sind, können Sie Ihre Fantasien zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob Sie vielleicht Schwierigkeiten mit Ihrem Mann haben, die Sie sich bisher nicht eingestanden haben oder die Ihnen gar nicht bewusst waren. Diese könnten sexueller, aber auch partnerschaftlicher Natur sein. Wenn sich auch bei ehrlichen Überlegungen heraus stellt, dass Ihre Beziehung tatsächlich so intakt ist, wie Sie schreiben, möchten Sie vermutlich einfach in der Fantasie etwas Neues ausprobieren, was Sie in der Realität nicht tun können oder wollen – nämlich Sex mit einem anderen Mann haben und/oder neue Praktiken ausprobieren. Oft besteht ein großer Unterschied zwischen dem realen sexuellen Verhalten und dem gleichzeitigen „Sex im Kopf“.

Angeregt durch Brigittes Email beantworte ich hier die häufigsten Fragen bezüglich erotischer Fantasien:

Warum haben wir sexuelle Fantasien?
Sigmund Freud hielt diese für ein mentales Produkt, das eine wichtige seelische Funktion erfülle. Er war der Meinung, dass unsere sexuellen Fantasien Reaktionen auf Frustrationserlebnisse seien bzw. Versuche, unsere oft verbotenen Wünsche wahr werden zu lassen.
Evolutionspsychologen glauben, wir fantasieren, um die sexuelle Erregung zu verstärken, was der Fortpflanzung dient.
Darüber hinaus benutzen wir sexuelle Fantasien, um

  • Abenteuer im Kopf zu erleben und damit aus dem Alltag auszubrechen
  • Dinge zu tun, die in Wirklichkeit nicht möglich sind
  • mit Menschen zu verkehren, mit denen wir in Wirklichkeit keinen Sex haben können oder wollen
  • neue Ideen auszuprobieren
  • die Lust beim Sex mit dem Partner zu steigern


Haben alle Menschen sexuelle Fantasien?
10% der Frauen erklärten, keine Fantasien zu haben, aber nur 4% der Männer**. Vielleicht trauen sich Männer aber auch nur eher, diese Frage ehrlich zu beantworten.
Wer tatsächlich nie fantasiert, hat u.U. starke Scham- und Schuldgefühle in Bezug auf Sex.

Welche Fantasien sind am häufigsten?

  • Partnertausch, Dreier, Gruppensex
  • Sex mit Prominenten
  • Homoerotik
  • Fetischismus
  • Erniedrigung
  • Gewalt


Warum haben Frauen Vergewaltigungs-Fantasien?
Viele Frauen haben sexuelle Fantasien, in denen Erniedrigung oder Gewalt vorkommt. Sie schämen sich dafür und sind verwirrt, weil sie im realen Leben Gewalt verabscheuen. Dabei ist das nicht ungewöhnlich – Millionen Erwachsene haben Fantasien mit gewalttätigem Inhalt. Sex und Gewalt sind häufig eng miteinander verbunden und beides wirkt erregend, was wir übrigens in fast allen Hollywood-Filmen sehen können.
Ambivalente Gefühle sind hier nichts Ungewöhnliches. Man kann sich durch eine sexuelle Fantasie gleichermaßen erregt und zugleich abgestoßen fühlen.


Soll ich meinem Partner von meinen sexuellen Fantasien erzählen bzw. diese realisieren?

Über erotische Fantasien zu sprechen oder sie in die Tat umzusetzen, kann bereichernd für eine Partnerschaft sein, kann dieser aber auch schaden. Es gibt keine Richtlinien, das muss jedes Paar für sich selbst herausfinden. Man braucht dazu jedenfalls viel Einfühlungsvermögen und Vertrauen. Fantasie und Realität können ganz unterschiedlich erlebt werden. Oft ist eine Fantasie gerade deshalb so aufregend, weil sie nie verwirklicht wird. Die Umsetzung kann enttäuschend und unbefriedigend sein – oder die Erfüllung all ihrer erotischen Träume!


Haben sexuelle Fantasien eine Bedeutung?

Was welche Fantasie genau bedeutet, können nicht einmal Psychotherapeut*innen genau sagen. Ungelöste Konflikte, kreativer Umgang mit Aggressivität, frühkindliche Traumata .. all das habe ich in diesem Zusammenhang bereits gelesen oder gehört.


Woher kommen sexuelle Fantasien?

Diese gehen häufig auf Kindheitserlebnisse zurück. Mithilfe unserer Fantasien können wir schmerzliche Erfahrungen in lustvolle sexuelle Erlebnisse verwandeln und schaffen somit die Möglichkeit, seelischen Kummer durch Erotisierung zu lindern.


Was ist normal?
Nicht einmal mit dieser umfassenden Studie** fand man heraus, was eine „normale“ sexuelle Fantasie ist. Es gibt glücklich verheiratete Menschen, die einerseits liebevoll miteinander umgehen und andererseits sehr aggressive Fantasien haben. In unseren Köpfen gibt es eine so ungeheure Vielfalt, dass es sinnlos wäre, nach „normalen“ Fantasien zu suchen.

Wenn Sie Fragen dazu haben oder Unterstützung brauchen, vereinbaren Sie einen Termin für ein unverbindliches, kostenloses Informationsgespräch! Ich bin gerne für Sie da. Von Frau zu Frau.

 

* Name geändert

** Ich zitiere in diesem Artikel aus dem Buch „Sex im Kopf“ des britischen Psychologen und Psychotherapeuten Brett Kahr, der die mit Abstand größte Studie zu sexuellen Fantasien durchführte: 19.000 Frauen und Männer nahmen daran teil.  

 

 

 

 

20 Tipps für mehr Lust auf Sex

Kostenloses E-book holen und auch weiterhin keine wertvolle Anregung verpassen!

 

 

Sie haben sich erfolgreich eingetragen!