Das ist ein Gastartikel von der Swingerclub Expertin Lotta Frei, in dem Sie Einblicke in die Welt der Swinger gewährt. Sie ist Autorin der Swinger-Bibel und beantwortet Fragen wie: Warum gehen Leute überhaupt in Swingerclubs? Was sind das für Menschen? Und was tun die da?

Die Klischees

In einem Swingerclub haben bestimmt alle ständig und mit jedem Sex. Da gehen sicher nur hässliche Männer hin. Dort ist es eklig und ungemütlich. Als Frau bin ich dort doch eh nur Freiwild. Und am Ende treffe ich da noch jemanden, den ich kenne! Okay, 5 mal nein. Diese hartnäckigen Klischees und Vorurteile entsprechen einfach nicht der Realität. Ob und mit wem du Sex hast, entscheidest du selbst. Männer gibt es dort in allen Formen und Farben. Gute Clubs haben eine gepflegte, stilvolle und ansprechende Atmosphäre, in der Frauen sich wohlfühlen können. Und ich habe noch nie jemanden getroffen, den ich nicht treffen wollte. Lass mich dir erzählen, wie es wirklich im Swingerclub zugeht. Es könnte sein, dass das ein oder andere dich positiv überrascht.

Was sind überhaupt Swingerclubs?

Alle Swingerclubs haben eines gemeinsam: es sind Orte voll erotischer Atmosphäre, in denen die Zeit stehenbleibt, weil alles anders ist als gewohnt. Man trifft dort auf Menschen, die ausnehmend freundlich und wertschätzend miteinander umgehen. Das Durchschnittsalter bewegt sich zwischen 25-55 Jahren. Es gibt attraktive und normale, dicke und dünne, sportliche und gemütliche, junge und ältere, Paare und Singles aus den verschiedensten Berufen… Kurzum: den typischen Swinger gibt es nicht. Was all diese Menschen eint ist der Wunsch nach einer lebendigen, abwechslungsreichen und offenherzigen Sexualität. Sei es nur mit dem eigenen Partner oder sogar mit anderen gemeinsam.

Swingerclubs schaffen einen geschützten Rahmen für intime Begegnungen, deren Tiefe du allein bestimmst. Sie bieten Möglichkeiten – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das heißt, du kannst dort Sex haben – musst aber nicht. Der Besuch eines erotischen Clubs hat vielmehr die Macht, deine eingespielten Muster und Gewohnheiten aufzubrechen. Du bekommst die Chance, dich wieder attraktiv und begehrt zu fühlen. Paare sehen sich oft in ganz neuem Licht, wenn der oder die Partner*in anerkennende Blicke von anderen Gästen erhält. Denn in Swingerclubs wird offener geflirtet als sonst üblich.

Der Zauber fremder Haut

Niemand muss im Swingerclub Sex mit fremden Menschen – oder überhaupt Sex – haben. Es gibt sogar abschließbare Paarezimmer, in denen man unter sich bleiben kann. Aber stell dir mal für einen kurzen Moment vor, diese Grenze der Konventionen hinter dir zu lassen. Einen Flirt zu erwidern, vielleicht einen Kuss. Fremde Haut zu spüren. Wie würde sich das wohl anfühlen?

Die meisten Paare, die ab und zu einen Swingerclub besuchen, sind zufrieden in ihrer Beziehung. Und trotzdem ist da diese Lust auf fremde Haut, auf Abwechslung im Liebesleben. Das ist in langjährigen Beziehungen völlig normal und nichts, was einem Angst machen müsste. Du kannst deinen Partner mit Haut und Haaren lieben – und dich trotzdem nach einem neuen Menschen im Bett verzehren. Oder hast du schon einmal von einem zweiten Mann beim Sex geträumt, einer weiteren Frau? All das sind Szenarien, die sich in einem Swingerclub erfüllen und ausleben lassen.

Ängste und Sorgen

Klingt jetzt ganz easy – ist es aber nicht. Denn genauso normal wie die Lust auf fremde Haut ist auch die Angst, die vor dem ersten Swingerclubbesuch aufkommt. Angst vor Ablehnung, Zweifel an der eigenen Attraktivität oder die Sorge, ob die Beziehung das alles aushalten kann.

Ich selbst habe den ersten Besuch in einem Swingerclub jahrelang vor mir hergeschoben, weil ich nicht auf hohen Absätzen laufen konnte. Ich dachte, wenn ich nicht in Highheels dort erscheine, kann ich mit den anderen Frauen sowieso nicht mithalten. Im Nachhinein weiß ich, dass dieser Grund nur vorgeschoben war. Tief im Inneren hielten mich nicht nur meine Selbstzweifel, sondern auch die Angst vor dem Unbekannten davon ab, meine sexuellen Träume zu verwirklichen.

Paradoxerweise half mir ausgerechnet das Swingen, Selbstwertgefühl aufzubauen und mich zum ersten Mal im Leben sexy zu fühlen. Das Erlebnis, begehrt zu werden, wie ich bin, mit all meinen Extrapfunden (und sogar ohne hohe Schuhe), ist immer wieder eine wunderbare Erfahrung. Genauso wie mein eigenes Begehren zu erspüren, zuzulassen und frei von Schuldgefühlen auszuleben.

Die ersten Schritte

Am besten gelingen die ersten Schritte ins Swingerleben, wenn beide Partner gleichermaßen neugierig auf dieses Experiment sind. Oft kommt es aber vor, dass eineR den stärkeren Wunsch auf Neues hat, während der*die andere lieber in der bestehenden Situation verharren würde. Dann ist es wichtig, keinen Druck auszuüben. Erzähl deinem Partner, dass du gerne gemeinsam etwas ausprobieren würdest. Mach ihm deutlich, dass dir an seiner Meinung etwas liegt. Und gib ihm Zeit, darüber nachzudenken, sich mit dem Gedanken an dieses Experiment anzufreunden.

Beim ersten gemeinsamen Besuch im Swingerclub ist es wichtig, sich nicht zu viel vorzunehmen. Auch wenn du aufgeregt bist, dass es jetzt endlich soweit ist – schraub deine Erwartungen runter, schon deinem Partner zuliebe. Gerade wenn ein Part Angst vor dem Swingerclub hat, ist es hilfreich sich vorzunehmen, erstmal nur zu schauen. Macht euch bewusst, dass gar nichts Schlimmes passieren kann. Ihr zieht euch was Schickes an, trinkt ein Glas Sekt an der Bar, nascht von Buffet – und macht vielleicht einen Rundgang durch die Spielzimmer. Wenn ihr dabei Lust auf mehr bekommt – nur zu! Wenn die Eindrücke zu viel und vielfältig sind, lasst es langsam angehen.

Vielleicht wird es tatsächlich intim und es sind sogar andere Gäste in euer Liebesspiel involviert. Das kann sich beim ersten Mal ganz schön seltsam anfühlen. Den Partner Haut an Haut mit einem anderen Menschen zu sehen, löst eine ganze Reihe von Gefühlen aus. Neugier, Angst, Unsicherheit, Lust, Eifersucht, manchmal alles durcheinander. Das ist okay. Such die Nähe deines Liebsten, halt seine Hand, bleibt in Kontakt. Macht eine Pause, bevor die Emotionen zu viel werden. Eure Mitspieler*innen werden Verständnis dafür haben. Auch Swinger sind nicht frei von Eifersucht!

Mein Partner will, aber ich will nicht

Wie fühlt es sich an, das zu lesen? Bist du neugierig, es auszuprobieren? Oder stellst du fest, dass es definitiv nichts ist, was du erleben möchtest? Auch das ist in Ordnung. Sollte dein Partner den Wunsch haben, einen Swingerclub auszuprobieren, überleg dir, ob du ihm nicht trotzdem diese Freiheit gewähren könntest. Sein Wunsch ist schließlich keine Kritik an dir oder eurer Partnerschaft. Vielleicht hat er generell ein höheres Bedürfnis nach sexuellen Erlebnissen als du. Dann könnte das Swingen eure Beziehung sogar entlasten. Ich kenne viele Paare, für die dieses Modell gut funktioniert.

Weiterführende Lektüre – Die Swinger-Bibel

Bei meinem ersten Mal war mir vor Aufregung so schwindelig, dass ich am Eingang des Clubs am liebsten umgedreht wäre. Aber einmal durch die Tür getreten nimmt alles seinen Gang, und du stellst fest: ist ja gar nicht so wild! Hätte ich das mal vorher gewusst, dann hätte ich mich schon viele eher getraut. Dieser Gedanke legte den Grundstein zu meinem Buch „Die Swinger-Bibel“. Darin gebe ich Anfängern die Antworten auf Fragen, die sie sonst niemandem stellen können. Was zieht man im Swingerclub an? Wo lasse ich dort meine Sachen? Wie komme ich mit anderen ins Gespräch – und wie signalisiere ich, dass ich mir mehr vorstellen könnte? Das Buch gibt dir außerdem einen Überblick über die vielfältigen Themen, die du im Swingerclub erleben kannst – vom Maskenball bis zum Gruppensex – und macht Mut, es endlich selbst auszuprobieren!

Wie auch immer du dich entscheidest – für das gemeinsame Abenteuer, einen vorsichtigen Schnupperausflug oder den Alleingang – ich wünsche dir den Mut, deine Fantasien anzunehmen und sie wahr werden zu lassen!

Deine Lotta

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